Was haben wir eigentlich vom DWZRV?
Eine Antwort darauf ist leicht oder auch schwer. Kommt auf den Betrachter an. Ich will versuchen Antworten darauf zu geben. Denn es ist nicht mit einer Antwort getan.
Da stellt sich die Frage nach dem: Wer ist mit wir gemeint?
Leistungshundebesitzer, Ausstellungshundebesitzer, Windhund-Sportvereine, Mitglieder, Nichtmitglieder, Züchter, Funktionäre oder gar die Hunde ?
Ich meine, das darf man nicht trennen. Denn diese Gesamtheit ist der DWZRV!
Gegründet in 1892, mehrfachen Zerreißproben ausgesetzt, umstrukturiert, zwei Kriege überdauert und oft in Frage gestellt, hat er bis heute überlebt. Er hat überlebt, weil die Idee, welche die Gründungs- Mütter und -Väter hatten, gut war und immer noch gut ist. Und weil es danach immer wieder Menschen gab, die an der Verwirklichung dieser Idee gearbeitet haben, sie ausgestalteten und sinnvolle Veränderungen herbeiführten. Alle immer wieder gemachten Vorstöße, die Idee, die hinter dem DWZRV steht und damit den DWZRV, zu zerstören, sind bisher gescheitert. Sie wird so lange nicht zu zerstören sein, wie die Gesamtheit (DWZRV) die gemeinsamen Ziele höher wertet wie Einzelinteressen.
Selbstverständlich könnte sich jede der oben genannten Gruppen ihre eigene Organisation aufbauen. Solange dabei ausschließlich Interessen der jeweiligen Gruppe, sprich Hunde, im Vordergrund ständen, könnte sich der Einzelne sogar besser vertreten fühlen. So hätte jede Gruppe ihren eigenen Vorstand, ihre eigene Satzung, eine Zuchtordnung und/oder eine eigene Sportordnung.
Z. B. könnte sich eine Vereinigung der Züchter, der Leistungshunde-Besitzer, der Ausstellungshunde-Besitzer, der einzelnen Rassen, der Windhund-Sportvereine usw. bilden. Dazu wäre ein entsprechender Verwaltungsaufwand erforderlich. Es müsste in jedem Vorstand eine Person geben, die zu den anderen Organisationen Kontakt hält. Ständige Abstimmung zwischen den einzelnen Gruppen wären erforderlich, da weder die Zuchtseite ihre Ausstellungen ohne Plätze, noch die Leistungsseite ihre Sportveranstaltungen, als sich selbst tragende, kostendeckende Veranstaltungen durchführen könnten. Die Verantwortlichen in den WSV wissen aus Erfahrung wie schwierig schon alleine die Abstimmung der Renntermine zwischen den WSV innerhalb des DWZRV ist. Aber es werden immer Lösungen gefunden, unter der Berücksichtigung der Interessen der Leistungsseite und der Zuchtseite.
Bei aller Kritik, die man an der mitunter recht starren Organisation des DWZRV üben kann, würde ein sich Lösen von der Idee "DWZRV" nur Nachteile bringen.
Der Vorteil dieser Organisation liegt in den -kurzen- Wegen zwischen den einzelnen Interessengruppen. Auch wenn es für das einzelne Mitglied nicht immer so aussieht. Ein Blick ohne Voreingenommenheit über den Zaun zu unseren ehemaligen UICL-Freunden z. B. Holland zeigt dies ganz deutlich. Auch wenn wir zu unseren Schweizer Freunden schauen, werden wir sehen, dass die Aufsplitterung in einzelne Interessengruppen durchaus keine Vorteile bringen muss.
Sehen wir uns einmal die Argumente der Greyhoundbesitzer an, die speziell die Verantwortlichen der Windhundsportvereine in der Vergangenheit und immer wieder zu hören bekamen. Wir wollen unseren eigen Greyhoundclub, damit wir unsere Rennbahnen endlich so haben können, wie unsere Hunde das brauchen. Ganz abgesehen davon, dass bei der Befragung von auch nur 10 Greyhoundbesitzern bestimmt keine einheitliche Meinung über die "Greyhoundrennbahn" gefunden würde, wären die Greyhoundbesitzer alleine nicht in der Lage diese Rennbahn zu erstellen und diese dann alleine zu unterhalten.
Ich behaupte: keine Rasse könnte ständig alleine Sportveranstaltungen organisieren.
Wenn man die Entwicklung der Rassen: Azawakh, Saluki, Sloughi und weiterer Rassen mit kleiner Population, betrachtet, muss man feststellen, dass sich diese Rassen in Deutschland weitaus stärker entwickelt haben, als in den Nachbarländern, in denen diese Rassen ausschließlich von Spezial-Rasseclubs betreut werden. Der Grund ist nahe liegend. Sie profitieren von der großen Organisation des DWZRV, der alle Rassen betreut und deshalb auch Rassen, die alleine keine Sportveranstaltungen organisieren könnten, diese Möglichkeiten bieten kann.
Weshalb wohl wollen u. a. der -Afghanenclub-, -Sloughiclub-, -Whippetclub-, obgleich sie ja den DWZRV eigentlich ablehnen, immer an unseren Veranstaltungen teilnehmen? Weil sie eben diese Vielfalt an Veranstaltungen und diese Konkurrenz nicht bieten können.
Es dürfte bekannt sein welchen Stellenwert ich den sog. "kleinen" Windhund-Sportvereinen beimesse. Die Existenz der sog. kleinen Windhund-Sportvereine ist ein ganz wesentlicher Faktor im Vereinsleben des DWZRV und für die Betreuung der Hunde ungemein wichtig. Ihre Existenz kann nur unter einem großen Dach sichergestellt werden. Überließe man dies alleine den Gesetzen des Marktes würden sie von den großen Windhund-Sportvereinen an die Wand gedrückt, und es ginge viel positiver Einsatz für unsere Hunde verloren. In einem Hobby kann es nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gehen.
Wer die Vorteile, die der DWZRV bietet, sehen will, muss dies alles mit betrachten. Wer an ihnen teilhaben will, muss bereit sein die Eigeninteressen dem Gesamtinteresse unterzuordnen.
Dies ist der Kernpunkt der Idee "DWZRV". Hüten wir uns davor, das gemeinsame Interesse hinter das Interesse des Einzelnen zu stellen.
Engstirniges, klein kariertes Denken, bei dem nur der Egoismus vorherrscht, war stets der Untergang von guten Organisationen und Ideen. (siehe die Zerschlagung der UICL)
Das Dach unter dem alle Interessengruppen innerhalb des DWZRV zuhause sind, hatte es uns möglich gemacht, ein Rennwesen aufzubauen, das einmalig in Europa ist.
Das ist kein Anlass in Selbstgefälligkeit zu verfallen. Um etwas das gut ist zu erhalten, braucht es Weiterentwicklung. Dazu gehört Kritikfähigkeit, Offenheit für Neues, man muss Dinge in Frage stellen dürfen und darf sogar Fehler machen.
Nach der Nötigung der FCI und des VDH, dass der DWZRV aus der UICL austreten muss, trat die gesamte, gut funktionierende Führungsmannschaft des DWZRV in 1991 geschlossen zurück. Es folgten ca. fünf Jahre in denen der DWZRV mühsam versuchte den entstandenen Schaden zu reparieren, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Das mit dem ruhigeren Fahrwasser gelang zwar. Die Schäden die entstanden waren, sind bis heute nicht vollständig beseitigt.
Denn bis heute hat der DWZRV seine ehemals vorhandene Innovationskraft nicht wieder erlangt. Seither wird der Verband eigentlich nur noch verwaltet. Jeder Ansatz im DWZRV Strukturen zu ändern, wurden abgeblockt. Selbst das darüber Nachdenken wurde misstrauisch betrachtet. Alle eingesetzten Arbeitsgruppen und Kommissionen wurden von einigen Vorstandsmitgliedern so lange abgeblockt, bis sie sich irgendwann auflösten. Sie gaben frustriert auf. Jeder, der auch nur Reformen fordert wird als Querulant abgetan.
Die letzte AG (Strukturen) arbeitete vier Jahre ohne, dass dem DWZRV überhaupt Kosten entstanden waren. (Vielleicht war das ein Fehler, offensichtlich würdigt man nur das was man bezahlen muss.) Die guten Ergebnisse, die dabei erarbeitet wurden, wurden der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten. Erst ab 2007 arbeiteten einige Vorstandsmitglieder mit dieser AG zusammen. Dennoch waren die Widerstände innerhalb des Rest-Vorstandes so groß, dass alle vorgeschlagenen Änderungen zur effektiveren Verwaltungsarbeit im DWZRV, zu mehr Serviceleistungen des Verbandes für seine Mitglieder und den Abbau von überholten Arbeitsweisen, Bürokratie, ins Leer gingen.
So werden bis heute die Möglichkeiten nicht genutzt, die die neuen Techniken für Verwaltung und Kommunikation bieten.
Heute, nach der ca. 10 Jahre alten Forderung, feiern wir es als Erfolg, ein Zuchtbuchprogramm einzusetzen. Wir sind stolz auf die Verwendung einen Systems, das Meldungen zu Veranstaltungen für die Mitglieder online möglich macht.
Ich will das nicht klein reden. Denn die Personen, die dieses realisiert haben, haben dies trotz aller Widerstände einiger Vorstandsmitglieder erreicht. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank.
Aber es waren genau diese Vorstandsmitglieder, die die Einführung von solchen Systemen und Hilfsmittel lange Jahre verhinderten.
Bei der JHV 2011 soll unsere Satzung wesentlich geändert werden. Wir denken an die Bildung einer GmbH. Wir streben an, einen fest angestellten Geschäftsführer einzustellen.
Die Ergebnisse, die man sich dabei erhofft, werden sich nur dann einstellen, wenn der gesamte Vorstand des DWZRV diese Veränderungen und Umstrukturierungen bedingungslos unterstützt, daran mitarbeitet und die Mitglieder mitnimmt. Nicht jeder, der Kritik übt, ist ein Feind des DWZRV, nicht jeder, der nach dem Munde redet, ein Freund!
Brieselang 10.02.2011